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Coding-Agenten schreiben mehr Code – warum kommt trotzdem nicht mehr Fertiges heraus?

Eine Auswertung von 718 Softwarefirmen zeigt: Mit KI-Agenten wächst die Codemenge um 30 %, die erledigten Tickets steigen nicht messbar. Die Prüfung der Änderungen dauert länger.

KI Montag, 26.10.2026

Was die Studie gefunden hat

Die Ökonomen Fiona Chen und James Stratton (Harvard) haben Daten des Analysedienstes Jellyfish ausgewertet: rund 726 000 Beschäftigte in 718 Softwarefirmen, Januar 2021 bis März 2026. Sie verglichen Firmen vor und nach der Einführung von KI-Agenten, also Werkzeugen, die selbstständig mehrere Dateien ändern (etwa Claude Code, Cursor oder Devin). Pro Person und Monat stieg die Codemenge um etwa 30 %, die Zahl der Commits (gespeicherte Änderungsschritte) um 20 %, die der Pull Requests (Änderungsvorschläge zur Prüfung) um 23 %.

Bei dem, was am Ende zählt, tat sich dagegen nichts Messbares: Die Zahl abgeschlossener Tickets und größerer Vorhaben („Epics“) änderte sich statistisch nicht. Dafür wurde die Prüfung zäher. Vom Einreichen bis zum Übernehmen eines Vorschlags vergingen im Schnitt 3,45 Tage länger (+49 %), der Anteil der Vorschläge mit Änderungswünschen verdoppelte sich fast, und pro Vorschlag gab es 35 % mehr Kommentare.

Einordnung

Das passt zu einer einfachen Beobachtung: Schreiben wird billiger, Verstehen und Verantworten nicht. Wer mehr Vorschläge einreicht, belastet die Menschen, die sie lesen müssen. Auffällig ist auch, dass die Beschäftigtenzahl der Firmen sich nicht änderte; die Autoren können keinen nennenswerten Stellenabbau durch KI belegen.

Bei einfachen Assistenten, die nur Zeilen vervollständigen, war der Effekt laut Paper deutlich kleiner: Nur die Commits stiegen signifikant (+9 %).

Grenzen

  • Die Daten enden im März 2026; die Werkzeuge haben sich seitdem verändert.
  • Es ist ein Arbeitspapier, ob es begutachtet wurde, ist unklar.
  • „Fertige Arbeit“ wird über Tickets gemessen. Das ist ein grobes Maß: Ein Ticket kann groß oder klein sein.
  • Das Paper sieht den Code selbst nicht. Ob mehr Änderungswünsche schlechteren Code oder strengere Prüfung bedeuten, bleibt offen.
  • Teilnehmende Firmen sind Jellyfish-Kunden, die der Forschungsnutzung zugestimmt haben, also kein Zufallsschnitt.
  • Die griffige Zuspitzung „mehr Code, nicht mehr Software“ stammt aus der Presse (Ars Technica), nicht aus dem Paper. Ich konnte den Ars-Artikel nicht abrufen und stütze mich auf Zusammenfassungen sowie das Paper-PDF, dessen Text ich nicht selbst auswerten konnte; die Zahlen stammen aus den gelesenen Zusammenfassungen und stimmen dort überein.

Quellen

  • braindetox.kr https://braindetox.kr/en/posts/ai_coding_agents_more_code_not_more_software_study_2026.html
  • redreamality.com https://redreamality.com/blog/coding-agent-more-code-not-more-software-2026/
  • aiweekly.co https://aiweekly.co/alerts/harvard-study-ai-coding-agents-lift-code-30-shipped-output-flat
  • fion.ac https://fion.ac/jellyfish.pdf