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Festkörperbatterie: Wer ist wirklich weit, und was heißt „serienreif“?

Ende Oktober 2026 gibt es kein Serienauto mit echter Festkörperzelle. Pilotlinien laufen, Kleinserien sind für 2027 geplant, und eine Prestige-Ankündigung ist bisher kaum belegt.

Technik Montag, 26.10.2026

Eine Festkörperbatterie ersetzt die Flüssigkeit zwischen den Elektroden durch einen festen Stoff. Das verspricht mehr Energie pro Kilogramm und weniger Brandgefahr. Wer die Meldungen der letzten Wochen liest, sieht viele Ankündigungen, aber bisher kein Auto mit solcher Zelle im Verkauf. Das ist die wichtigste Einordnung vorweg.

Wo die Hersteller stehen

Eine Übersicht von Cleanthinking (veröffentlicht 7. Oktober, aktualisiert 21. Oktober 2026) sortiert den Stand so: In China läuft bei GBT seit Mitte Oktober eine Kleinserienlinie mit 1 GWh, allerdings ohne Pkw-Kunden. Saft in Frankreich fertigt Halbfeststoffzellen für die Luftfahrt. QuantumScape zeigt eine Musterzelle mit 301 Wh/kg und einer Ladung von 10 auf 80 Prozent in gut 12 Minuten, nennt aber keinen Serientermin. CATL stufte sich im Juli 2026 selbst auf Stufe 4 von 9 ein und rechnet vor 2030 nicht mit breitem Einsatz. BYD will 2027 erstmals ein Fahrzeug zeigen, wie Elektroquatsch am 29. September 2026 berichtet. Offen ist dort, ob es ein verkauftes Auto, eine Kleinserie oder nur ein Vorführwagen wird und ob die Zelle wirklich komplett ohne Flüssiganteil auskommt.

Das ist der Knackpunkt beim Wort „serienreif“. Manche Zellen heißen „semi-solid“ und enthalten noch rund fünf Prozent Flüssigelektrolyt. Sie sind tatsächlich im Handel, aber keine Festkörperzellen im strengen Sinn. Und „Zielwert“ (etwa 400 Wh/kg bei BYD) ist nicht „gemessener Wert“.

Ein Lehrstück: Donut Lab

Das finnische Start-up Donut Lab behauptete im Januar 2026 zur CES: 400 Wh/kg, 100.000 Ladezyklen, Ladung in fünf Minuten. Das Forschungsinstitut VTT hat inzwischen zwei Berichte veröffentlicht. Der erste (23. Februar 2026) bestätigt das Schnellladen: 0 bis 80 Prozent in 4,5 Minuten bei einer einzelnen 26-Ah-Zelle, wie Battery-Tech.net berichtet. Dabei erreichte die Zelle mit zwei Kühlkörpern 63 °C, mit einem schaltete die Sicherung bei 90 °C ab. Von „keine aktive Kühlung nötig“ kann man also nicht ohne Weiteres sprechen. Der zweite Bericht (2. März) zeigt, dass die Zelle bei 80 und 100 °C sogar etwas mehr Kapazität lieferte; danach hatte die Hülle aber ihr Vakuum verloren (Electrek).

Nicht geprüft sind laut beiden Quellen die zwei großen Versprechen. Energiedichte: Die Zelle wurde nicht gewogen. Bei 94 Wh müsste sie rund 235 g wiegen, um 400 Wh/kg zu erreichen. Zyklenfestigkeit: Die Tests umfassten nur wenige Zyklen, für 100.000 bräuchte man Jahre. Zum Vergleich nennt Electrek für gute Lithium-Ionen-Zellen etwa 1.000 bis 5.000 Zyklen.

Grenzen

Die Cleanthinking-Übersicht nennt außerdem einen VTT-Messwert von 409 Wh/kg für eine Donut-Zelle „Version 1.5“ nach nur zwei Zyklen. Diesen Wert habe ich in den VTT-Berichten, über die die anderen Quellen berichten, nicht gefunden; er steht hier also nur aus einer Quelle. Die meisten Herstellerzahlen sind Angaben der Firmen selbst, unabhängige Messungen gibt es nur für Donut Lab. Zeitpläne sind Ziele, keine Zusagen.

Quellen

  • cleanthinking.de https://www.cleanthinking.de/?p=1073488
  • elektroquatsch.de https://www.elektroquatsch.de/artikel/byd-festkoerperakku-erstes-modell-2027
  • battery-tech.net https://battery-tech.net/donut-labs-first-test-results-prove-fast-charging-but-leave-other-claims-unanswered/
  • electrek.co https://electrek.co/2026/03/02/donut-lab-solid-state-battery-high-temperature-test-vtt/