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Warum ruckelt ein Spiel, wenn der Grafikspeicher voll ist – und was ändert Linux 7.3 daran?

Der Kernel konnte bisher nicht unterscheiden, ob Spiel oder Browser-Tab den Grafikspeicher braucht. Mit Linux 7.3 und neuen Werkzeugen bekommt das Vordergrundprogramm Vorrang.

Technik Montag, 26.10.2026

Das Problem: Der Treiber kennt keine Prioritäten

Eine Grafikkarte hat eigenen schnellen Speicher (VRAM). Ist er voll, lagert der Linux-Treiber Daten in den normalen Arbeitsspeicher aus, den die Karte nur über den vergleichsweise langsamen PCIe-Bus erreicht. Dieser Bereich heißt GTT. Das Tückische: Für den Treiber sieht der Speicher eines Spiels genauso aus wie der eines Browser-Tabs im Hintergrund. Welche Daten wichtiger sind, weiß er nicht. So landen auch Spieldaten im langsamen Bereich, und das Bild ruckelt – vor allem bei Karten mit 8 GB oder weniger.

Was neu ist

Natalie Vock, Grafikentwicklerin bei Valve, hat dafür den Speichertyp „dmem“ der Kernel-Prozessgruppen (cgroups) mitentwickelt. Damit lässt sich Programmen im Grafikspeicher ein Vorrang geben. Dazu kamen sechs Kernel-Patches, die verhindern, dass neue Reservierungen den Schutz umgehen und ausgerechnet im langsamen Bereich landen. Zwei Hilfsprogramme (dmemcg-booster und eine angepasste Fassung von KDEs Foreground Booster) schalten den Schutz für das Programm im Vordergrund ein. Laut It’s FOSS und TechSpot (beide 13. April 2026) war das zunächst nur über angepasste Kernel wie bei CachyOS nutzbar.

OMG! Ubuntu zählt unter den Neuerungen von Linux 7.3 (veröffentlicht am 18. Oktober 2026) nun eine Änderung auf, bei der der Kernel unwichtige Hintergrunddaten aus dem VRAM verdrängen kann, um Platz für höher priorisierte Reservierungen zu schaffen. Als Test nennt der Artikel ein Spiel auf einer 8-GB-Karte, das trotz eines Bedarfs von rund 9 GB noch gut lief.

Zahlen und Einordnung

In Vocks eigenem Test mit Cyberpunk 2077 auf einer 8-GB-Karte lagen vorher rund 6 GB im VRAM und 1,37 GB im GTT. Nachher waren es knapp 7,4 GB im VRAM und etwa 650 MB im GTT, also gut die Hälfte weniger Auslagerung (TechSpot). Wichtig: Das bringt nichts, wenn ein Spiel schlicht mehr braucht, als die Karte hat. Es sorgt nur dafür, dass der vorhandene schnelle Speicher dem richtigen Programm gehört.

Grenzen

  • Die Zahlen stammen aus einem einzigen Spiel, vom Entwickler selbst gemessen. Unabhängige Messungen habe ich nicht gefunden.
  • Ob genau die oben beschriebenen sechs Patches in 7.3 stecken, konnte ich nicht belegen: Vocks eigenen Blogbeitrag konnte ich nicht lesen, Phoronix war nicht abrufbar. OMG! Ubuntu beschreibt die Verdrängung als Teil von 7.3, ohne Patchliste.
  • Die Quellen widersprechen sich teils beim Stand: It’s FOSS schreibt, der dmem-Controller sei schon im Hauptkernel, die Patches aber nicht (Stand April).
  • Betroffen ist vor allem AMD; für Intel (xe) soll die Kernel-Seite bereitstehen, getestet ist das laut It’s FOSS noch nicht. Zusätzlich muss die Desktop-Seite mitspielen (KDE-Hilfsprogramm oder neuere Gamescope-Versionen).

Quellen

  • omgubuntu.co.uk https://www.omgubuntu.co.uk/2026/10/linux-7-3-features
  • itsfoss.com https://itsfoss.com/news/linux-amd-gpu-vram-fix/
  • techspot.com https://www.techspot.com/news/112045-valve-engineer-develops-linux-vram-fix-boosts-gaming.html