Am 7. Oktober 2026 hat die Linux Foundation auf dem Open Source Summit in Prag das Projekt OpenGrid vorgestellt. Es soll nicht noch ein Netzplanungsprogramm sein, sondern eine gemeinsame Schicht aus offenen Datenformaten, Schnittstellen (APIs) und einer zentralen Datensammlung, über die bestehende Programme, kommerzielle wie freie, Daten und Modelle austauschen können.
Das Problem: Anschlussstau
Laut der Pressemitteilung warten weltweit mehr als 2.500 Gigawatt an Erzeugung, Speichern und Großverbrauchern in Netzanschluss-Warteschlangen. Die jährlichen Netzinvestitionen müssten bis 2030 auf über 600 Milliarden Dollar ungefähr verdoppelt werden, und bis 2040 seien 80 Millionen Kilometer Leitungen neu zu bauen oder zu ersetzen. Zum Gefühl für die Größe, meine Rechnung: Das sind rund 2.000 Erdumfänge (40.075 km je Umlauf).
Die Initiatoren führen den Stau auch auf die Planung selbst zurück: zersplitterte Daten, untereinander inkompatible Software und Modellierungswerkzeuge, die sich viele Behörden und Länder nicht leisten können. Wer prüfen will, ob ein neuer Windpark ans Netz passt, muss ein Netzmodell rechnen. Hat jeder Beteiligte sein Modell in einem anderen Format, dauert schon das Übersetzen.
Was OpenGrid konkret baut
Als erste größere Anwendung ist der „OpenGrid Translator“ angekündigt, der Daten und Modelle zwischen verbreiteten kommerziellen Plattformen und Open-Source-Werkzeugen überträgt, Zieltermin 2027. Später sollen offene Löser, grafische Oberflächen ohne Programmierung und KI-gestützte Datenaufbereitung folgen. Bis 2030 soll jedes Land Zugang zu guten Planungswerkzeugen haben. Gestartet wird mit Unterstützung von Breakthrough Energy GRIDS, Global Grid Catalyst, der Connected Grid Initiative und Google.org; technische Partner sind unter anderem Open Energy Transition und TransitionZero.
Einordnung
Neu ist die Bündelung unter einem neutralen Dach, nicht die Idee: Die Linux Foundation betreibt schon länger LF Energy mit offenen Projekten für Speicher, Netze und Ladeinfrastruktur. Dass ausgerechnet ein Austauschformat der Engpass sein soll, klingt unspektakulär, ist aber plausibel. Ähnliches kennt man aus der Softwarewelt: Ein offenes Format wirkt oft stärker als ein weiteres Programm.
Der Strombedarf von Rechenzentren ist der Anlass, den der Bericht von The Stack hervorhebt: laut IEA etwa 1,5 % des weltweiten Stromverbrauchs, bis 2030 eine Verdopplung auf 945 Terawattstunden. Umgerechnet sind das im Mittel rund 108 Gigawatt Dauerleistung (945 TWh geteilt durch 8.760 Stunden, eigene Rechnung), ein Bruchteil der wartenden 2.500 GW, wobei Anschlussleistung und Dauerleistung nicht dasselbe sind.
Grenzen
Fast alle Berichte geben dieselbe Pressemitteilung wieder; unabhängige Berichterstattung fehlt bisher. Eine Analyse auf efficientlyconnected.com weist auf offene Punkte hin: Das Format nützt nur, wenn kommerzielle Anbieter es unterstützen, die ein Eigeninteresse am Verschluss haben können; und die Besetzung der Leitung (Vorsitz: Alice Yake von Breakthrough Energy, einem der Geldgeber) werde zeigen, wie neutral das Projekt bleibt. Ob es den Stau tatsächlich verkürzt, ist offen, denn Genehmigungen, Bauzeiten und Leitungsbau hängen nicht nur an Software.
Quellen
- linuxfoundation.org https://www.linuxfoundation.org/press/linux-foundation-launches-opengrid-to-build-open-shared-infrastructure-for-the-worlds-electric-grid
- thestack.technology https://www.thestack.technology/linux-ai-power-bottleneck-opengrid-initiative/
- efficientlyconnected.com https://www.efficientlyconnected.com/linux-foundation-opengrid-open-source-grid-planning/